Racking is back: Western States 2021

 


 

von Sabine


Happy Statesmas! 


Endlich – nach einem gefühlten Jahrzehnt ohne Rennen, findet ein wirklich ernstzunehmendes Rennen statt. „The granddaddy of ultrarunning“ – wie die Amerikaner sagen. 


Zwar gab es in den letzten Monaten wieder Rennen in Ozeanien, Asien und Europa, doch oft fühlten diese sich eher nach „Landesmeisterschaften“ an. Beim Tarawera waren ausschließlich Neuseeländer am Start – oder Expats, die es aus beruflichen Gründen nach Neuseeland verschlagen hat. Beim Ultra Trail Australia galt dasselbe – hier waren es zu über 95% Australier, die am Start waren. Den Transgrancanaria, bei dem sich sonst die halbe Welt trifft, dominierten Läuferinnen und Läufer aus Spanien und Frankreich. Erst bei den Trail- und Skyrunning Events der letzten Wochen herrschte wieder das internationale Flair, das man aus den Jahren vor Corona gewohnt war.


Und jetzt der Western States! Aber – Moment mal – besteht da nicht auch das Teilnehmerfeld zu 95% aus US-Amerikanern? Richtig. Die immer noch geltenden Einreisebeschränkungen in den USA geben den internationalen Läufern kaum die Chance, einzureisen ... es sei denn, man hat – wie beispielsweise Beth Pascall – ein Visum über einen Sportverband. Aber: Western States war auch in den vergangenen Jahren US-dominiert. Mit nur 6 Ausnahmen (Jornet 2011, Greenwood 1011 und 2012, Krar 2014 und 2015, Sandes 2017) kamen die Sieger immer aus den USA. Wenn auch das Rennen in den letzten 10 Jahren deutlich internationaler wurde. 


In diesem Jahr kommen  gerade mal 13 der 317 TeilnehmerInnen aus Ländern außerhalb der USA (2019 waren es 68 von 369). Es ist also ein außergewöhnlich kleines Teilnehmerfeld (die Wait List ist schon seit Monaten abgearbeitet) und so wenige internationale Läuferinnen und Läufer wie schon lange nicht mehr.

 
Und trotzdem verspricht das Rennen spannender zu werden wie selten  zuvor. In den vergangenen Jahren konnte man vor dem Rennen aus den Resultaten der Frühjahrsleistungen ganz gut einschätzen, wer wohl eine Chance auf das Podium hat und wer nicht. Doch in diesem Jahr gibt es so viele „dark horses“ wie noch nie. Aufgrund der wenigen Rennen, die seit Ausbruch der Corona-Krise stattfanden kennt man die Leistungsfähigkeit der einzelnen Athletinnen und Athleten kaum. Wie haben die Läuferinnen und Läufer die fehlende Wettkampfpraxis weggesteckt? Hat es ihnen vielleicht sogar gutgetan, mal kontinuierlich zu trainieren und sich nicht in immer mehr Wettkämpfen zu verzetteln?
Wir werden sehen. Es wird am Samstag ein schneefreies Jahr werden – aber wohl auch ein sehr heißes Rennen. 


Hier ein paar Läuferinnen und Läufer, die Chancen auf den Sieg oder zumindest das Podium haben:

  • Beth Pascall (GBR): Vierte beim Western States 2019. 2020 FKT auf der Bob Graham Round, 2021 dominanter Sieg beim Canyons 100k.
  • Brittany Peterson: Zweite beim Western States 2019, 2020 FKT auf dem Superior Hiking Trail, 2021 Sieg beim Black Canyon Trail 100k.
  • Clare Gallagher: Siegerin beim Western States 2019. Trat 2020 und 2021 noch nicht in Erscheinung.
  • Audrey Tanguy (FRA): Unter anderem Siegerin beim TDS 2019, war beim Canyons 100k Dritte.
  • Ruth Croft (NZL): War 2018 und 2019 vorwiegend auf Trailrennen zwischen 30 und 60km unterwegs, 2021 Sieg beim Tarawera 100k, der Western States ist ihr 100 Meilen Debutrennen.
  • Ragna Debats (NED): Riesige Bandbreite von Rennen – von Etappenrennen (Sieg bei der Coastal Challenge 2018 und Marathon des Sables 2019), kürzeren Trails- und Skyraces bis zu Rennen über 100km (Sieg beim CCC 2019). Der Western States ist ihr 100 Meilen Debutrennen.
Außerdem: Kaci Lickteig (WSER Champion 2016), Magdalena Boulet (WSER Champion 2015), Nicole Bitter, Camille Herron, Cecilia Flori, Emily Hawgood.
  • Jim Walmsley: Hatte für 2020 abgesagt (weil er damals den Comrades laufen wollte), hat aber über seinen Sponsor einen Platz bekommen. Sieg beim Western States 2018 und 2019, Streckenrekord (14:09:28). Amerikanischer Rekord über 100 km beim Project Carbon X 100k Race im Januar 2021, danach langwierige Verletzung mit ITB- und Knieproblemen.
  • Jared Hazen: Zweiter beim Western States 2019 mit der zweitbesten Zeit, die jemals gelaufen wurde. Enttäuschende Saison 2020 mit einem 10. Platz beim Speedgoat 50k und Platz 11 beim JFK 50.
  • Matt Daniels: War mal ein richtig schneller Mittelstreckenläufer (Meile in unter 4 Minuten), und hat sich dann bis zu 100 Meilen hochgearbeitet. Vierter bei seinem 100 Meilen Debut beim Western States 2019.
  • Mark Hammond: 2x Dritter beim Western States (2017 und 2018) sowie einmal Fünfter (2019).
  • Jeff Browning: Ist zwar schon 50, hat es aber von 2016-2019 vier Jahre in Folge in die Top 10 beim Western States geschafft. 2021 Sieg beim Zion 100 Meilen Rennen.
  • Hayden Hawks: Hat 2020 beim JFK 50 eine Glanzleistung hingelegt, als er siegte und dabei den Streckenrekord von Jim Walmsley brach. Der WSER 2021 ist sein zweiter Versuch über 100 Meilen – sein bislang längstes Rennen absolvierte er bei seinem Sieg beim Lavaredo 2018.
  • Tim Tollefson:  Ist bekannt für sehr überlegte Rennen, in denen er selten schnell startet – wie bei seinen dritten Plätzen beim UTMB 2016 und 2017. 2019 Sieger beim Lavaredo, im Spätjahr 2020 Sieg beim Javelina Jundred.
Außerdem: Stephen Kersh, Patrick Reagan, Kyle Pietari, Cody Lind, Alex Nichols, Tyler Green, Eric Senseman, Anthony Costales, Max King.


Der Western States 2010 – das legendäre Rennen, das im Film „Unbreakable“ verewigt wurde, war meine „Einstiegsdroge“ als Zuschauerin von Ultrarennen. Und viele Jahre gab es beim Western States zwei Möglichkeiten, das Rennen zu verfolgen: Die Tweets von irunfar und die Durchgangszeiten von ultralive.net. 


Hier ist sich der Western States treu geblieben, aber in diesem Jahr soll es außerdem einen Live Stream geben – produziert von Billy Yang. Und außerdem gibt es eine App sowohl für Android als auch für iOS, auf der alle wesentlichen Informationen (live standings, news, livestream) gebündelt sind.

 

Hier sind die Links zu allen wesentlichen Informationsquellen:

Pre-Race Interviews und Information:

  • Irunfar (Interviews führen Bryon Powell und Meghan Hicks)
  • Western States (Interviews führen Dylan Bowman und Corinne Malcolm): Teil 1 (Browning, Daniels, Croft, Tollefson, Pascall, Hazen), Teil 2 (Hawks, Peterson, Boulet, Fitzpatrick, Walmsley, Thornley)
  • Research and Performance (Vortrag von Emily Krause und Megan Roche)
  • Programmheft


Übertragung:


Zum Einstimmen – ein paar Filme:


Los geht's übrigens am Samstag, 26.06.2021 um 5:00 Uhr Ortszeit - das ist hierzulande 14 Uhr. 

Also: Dann mal schnell noch ein paar Bier und Chips kaufen – und los geht’s zum Binge-Watching beim Live Stream.




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