UTMB-WOCHE 2021 - SNEAK PEEK: OCC

 


 

von Sabine

 


Jetzt geht’s auf die „Kurzstrecke“ – dieser Begriff ist natürlich vermessen, denn auch der OCC (Orsières-Champex-Chamonix) ist ein Ultratrail. Aber nachdem unter anderem die Golden Trail Series Trailwettkämpfe im Bereich der Marathondistanz wieder „salonfähig“ gemacht und damit auch den Trend zu immer längeren Distanzen umgekehrt haben, zieht der OCC im sechsten Jahr seines Bestehens immer mehr Läuferinnen und Läufe aus der Weltelite an. Es dürfte ein spannendes Rennen werden …

 

Quick Facts:
 

Start: 26. August 2021, 8:15
Strecke: 56 km, 3500 Höhenmeter
Live Results: hier.
Live TV: hier
Preview der Strecke: hier.
 

2021 sind 130 Männer und 42 Frauen in der Elitekategorie am Start.


 

Frauen:

  • Blandine L’Hirondel (FRA): Die ITRA/IAU Weltmeisterin von 2019 beherrscht Trailrennen im Bereich der Marathondistanz perfekt. Sie war im vergangenen Jahr bei der Golden Trail Championship auf den Azoren Dritte und liegt auch derzeit bei den Golden Trail World Series auf Platz 3.
  • Rachel Drake (USA): Vor 2 Jahren war sie auf der längeren CCC Strecke Siebte, jetzt startet sie auf der kürzeren Distanz – eigentlich kann sie sowohl Läufe um 50k als auch um 100k. Bei der Golden Trail Championship 2020 auf den Azoren war sie nur knapp hinter der sonst immer dominierenden Maude Mathys. In diesem Jahr ist sie – aufgrund der Reisebeschränkungen - nur einmal auf dem europäischen Kontinent bei einem Rennen der GTWS gestartet: Bei der Olla de Nuria landete sie auf Platz 6.
  • Miao Yao (CHN): Startet nicht beim OCC 2018 war „ihr Jahr“: Zweite beim Lavaredo, Sieg beim CCC. Die internationalen Rennen 2019 waren dagegen ein Reinfall: DNF beim Transvulcania, DNF bei den 90 km du Mont Blanc, DNF beim UTMB. Seitdem ist sie – auch Pandemiebedingt – nicht mehr international gestartet. Jetzt ist sie für den OCC gemeldet – ein „dark horse“, da man überhaupt nicht einschätzen kann, was sie derzeit draufhat.
  • Sheila Aviles (ESP): Startet nicht beim OCC Kommt eigentlich vom Skyrunning – sie gewann 2017 und 2019 die „Classic“-Kategorie der Skyrunner World Series. Bei der WMRA Langdistanz-Weltmeisterschaft in Argentinien 2019 wurde sie Fünfte. In diesem Jahr hat sie lediglich sehr kurze Rennen bestritten.
  • Elisa Desco (ITA): Sehr umstrittene Läuferin, denn sie wurde 2009 bei der Mountain Running World Championship positiv auf das EPO Derivat CERA getestet und erhielt eine Sperre bis Ende August 2012. Hat sich zunehmend vom Berglauf hin zum Trailrunning orientiert und ist sehr erfolgreich auf Strecken bis 50km. In diesem Jahr hat sie den Cortina Trail gewonnen.
  • Jasmin Nunige (SUI): Die „Grande Dame“ des Schweizer Berg- und Traillaufs, mit besonderem Fokus auf den Swissalpine – dort hat sie allein achtmal die Langstrecke gewonnen! So auch in diesem Jahr. Dagegen verlief ihr Ausflug zum UTMB bislang erfolglos: 2018 kassierte sie beim CCC einen DNF. Es wird spannend, ob sie sich mit ihrer Routine gegenüber den jüngeren Läuferinnen durchsetzen kann.
  • Taylor Nowlin (USA): Ist hierzulande wenig bekannt – jedoch zu Unrecht. Sie ist gewann die US Skyrunning Series 2017, hat 2018 die (weiterhin geltende) FKT Rim to Rim to Rim am Grand Canyon aufgestellt, war Zweite beim Lake Sonoma 2018 und hat beim Speedgoat 50k zwei zweite Plätze (2018 und 2019) aufzuweisen.
  • Eli Anne Dvergsdal (NOR): Die Cross- und Bergläuferin (Vizeeuropameisterin 2015) hatte ihren Durchbruch 2019 in der Golden Trail World Series: Mit dem Sieg in Zegama setzte sie früh ein Ausrufezeichen und landete schließlich auf Platz 4 der GTWS. Zuletzt gewann sie den Weissee Gletscherwelt Trail beim GGUT.


Interessant aus deutscher Perspektive:

  • Julia Bleasdale: Startet nicht beim OCC Die gebürtige Britin kommt aus der „klassischen“ Leichtathletik und vertrat ihr Land bei den Olympischen Spielen in London im 5000 und 10000 Meter Lauf. Mittlerweile läuft sie für Deutschland – und hat den Untergrund gewechselt: Sie ist jetzt auf dem Trail unterwegs. Bei ihrem Sieg auf dem T88 des Swiss Irontrail 2018 lief sie eine der höchsten ITRA Performance Wertungen, die eine deutsche Läuferin bislang erreicht hat (nur der Sieg von Michelle Maier beim Sierre Zinal 2016 wurde höher bewertet). Nach der Geburt ihrer Tochter machte sie beim Sierre Zinal 2020 ihr erstes Rennen – und landete auf Platz 4, einen Rang besser als Ruth Croft!
  • Sabine Wurmsam: Ich muss zugeben: Dieser Name war mir vorher noch nicht aufgefallen. Dabei hat die Läuferin aus dem Bayrischen Wald in den letzten Jahren einige super Leistungen gebracht: So zum Beispiel den Sieg beim Marathontrail des Hochkönigman 2019 und Platz 3 beim Cortina Trail 2019. In diesem Jahr kam sie beim Eiger E51 auf Platz 2 hinter der starken Kathrin Götz.





Männer:


  • Hayden Hawks (USA): Wenn Hayden Hawks in Form ist, dann kann er hier gewinnen. Denn Strecken zwischen 50km und 100km liegen ihm. Den CCC gewann er 2017, und im vergangenen Jahr siegte er nicht nur beim JFK 50, sondern brach dort auch noch den Fabelrekord von Jim Walmsley. Auf längeren Strecken ist seine Bilanz gemischt: Hier hat er beispielsweise einen eindrucksvollen Sieg beim Lavaredo Ultra Trail (2018) vorzuweisen, aber auch DNFs beim TDS (2018), Transgrancanaria (2019) und UTMB (2019). In diesem Jahr ist er unter anderem schon beim Western States gestartet (Platz 11) und vor wenigen Wochen beim Sierre-Zinal (Platz 10). Wird er beim OCC einen guten oder einen schlechten Tag haben?
  • Remi Bonnet (SUI): Remi Bonnet war das „Wunderkind“ der Trailrunning-Szene, als er 2015 vom Skibergsteigen aufs Trailrunning wechselte. Er gewann fast jeden Sky- und Trailrunning Wettkampf, bei dem er antrat. Dann hatte er Verletzungspech – und kam zurück: Mit soliden Ergebnissen, schafft es aber nur noch selten bis ganz an die Spitze. In dieser Saison ist er bislang alle Wettbewerbe der Goldent Trail World Series gelaufen und steht in der Gesamtwertung auf dem 3. Platz.
  • Oriol Cardona Coll (ESP): Ist eigentlich im Skyrunning zu Hause. Vor zwei Jahren hat er sich eine ganze Saison lang mit dem Japaner Ruy Ueda gebattelt – und wurde schließlich in der Gesamtwertung Zweiter. Für ihn dürfte das Gelände des OCC fast zu einfach sein – dafür ist er aber sehr schnell. Und er hat gezeigt, dass er auch auf technisch einfacherem Terrain weit nach vorn laufen kann: Bei der Langdistanz Weltmeisterschaft der WMRA 2019 in Argentinien wurde er Dritter hinter Walmsley und Puppi, beim Golden Trail Championship im letzten Jahr auf den Azoren wurde er Sechster.
  • Robbie Simpson (GBR): Der Brite ist ein läuferisches Multitalent. Er kommt eigentlich vom Berglauf – hat den Jungfrau Marathon und den Zermatt-Marathon schon gewonnen und beim Sierre-Zinal eine Bilanz (3 mal Platz 5, einmal Platz 3 und viermal Platz 2), die nur von Kilian Jornet überboten wird. Daneben ist er ein hervorragender Marathonläufer – seine Bestzeit, aufgestellt beim London Marathon 2017, ist 2:15:04. Jetzt also der OCC. Robbie dürfte da ganz weit vorn mitmischen.
  • Jonathan Albon (GBR): Auch ein Multitalent. Zweimal (2016 und 2017) hat Jonathan Albon die Sky Extreme Wertung gewonnen, 2017 auch die komplette Skyrunner World Series.  Beim Obstacle Course Racing hat er 2014-2019 die Adventurey Championships gewonnen sowie 2014 und 2018 die Spartan Race World Championships. Bei der Langdistanz-Berglauf WM 2019 war er Vierter, und die ITRA/IAU-Trailweltmeisterschaft 2019 gewann er. Es gibt also keinen Grund, ihn nicht ernstzunehmen – ganz im Gegenteil. Er hat große Chancen auf das Podium.
  • Nicolas Martin (FRA): Er ist beim OCC sozusagen zu Hause: Den allerersten OCC (2014) hat er gewonnen, 2018 wurde er Siebter, 2019 landete er „nur“ auf Platz 31. Dazu kommt ein dritter Platz 2015 beim CCC. Außerdem ist er beim Grand Trail des Festival du Templiers fast schon auf Platz 2 abonniert. Bei den Golden Trail Championships im vergangenen Jahr belegte er Platz 9 – beim diesjährigen OCC könnte es zu einem noch besseren Resultat reichen, wenn er einen guten Tag hat.
  • Ruy Ueda (JPN): Ein weiterer Skyrunner, der seinen größten Erfolg mit dem Gewinn der Skyrunner World Series 2019 feierte. Dass er auch längere Strecken kann, hat er 2016 mit seinem zweiten Platz beim CCC bewiesen. Im Jahr darauf reichte es dann lediglich zu Platz 26 beim OCC. Diese Scharte will er mit Sicherheit in diesem Jahr auswetzen.


Interessant aus deutscher Perspektive:

  • Moritz auf der Heide: Der Deutsche Meister im Ultratrail von 2018 und Seriensieger beim Trail Uewersauer (2016-2018) hatte sein „Breakout-Race“ beim Eiger E35 2019 – hier siegte er mit neuem Streckenrekord. Danach begann eine Berg- und Talfahrt aus Erfolgen und Verletzungen, bei der ein sensationeller 13. Platz bei der Berglauf-Langdistanz-WM in Argentinien heraussprang. Seinen Erfolg beim E35 konnte er in diesem Jahr wiederholen … und seine Bestzeit nochmal um 10 Sekunden nach unten schrauben. Es ist also zu hoffen, dass Moritz beim OCC sein Ergebnis von 2017 (Platz 30) verbessern kann.
  • Andreas Schindler: Startet nicht beim OCC Er ist der ITRA Representative für Deutschland. Und ist bei Wettkämpfen der Distanz zwischen 20 und 30 Kilometer immer wieder für einen der vorderen Plätze gut: Zuletzt siegte er (zum vierten mal in Folge) beim Gletscherrun 22k in Obergurgl, Platz 5 beim Silvrettarun 3000 auf der Marathonstrecke und Platz 4 beim Pitz Alpine P30. Jetzt geht’s beim OCC auf’s internationale Parkett und auf eine noch längere Strecke.
  • Marcel Hoeche: Ist auf fast allen Streckenlängen zwischen 20 und 100km zu Hause – und läuft Mittelgebirgstrails wie den Südthüringentrail oder den Maintal Ultratrail genauso wie das Hamperokken Skyrace. Zuletzt kam er beim Swissalpine K43 auf Platz 3. Nach dem CCC 2019 (Platz 47) tritt er diesmal beim OCC an.







Kommentare