SNEAK PEEK: UTMB 2021

 


 

von Sabine



Lange schien es so, als hätte der diesjährige UTMB alle Spitzenläuferinnen und Spitzenläufer der Welt vereint: Die Titelverteidiger (Courtney Dauwalter, Pau Capell), die Sieger des diesjährigen Western States (Beth Pascall, Jim Walmsley) und die Sieger des diesjährigen Hardrock (Sabrina Stanley, Francois d’Haene).  Doch dann musste sich Pau Capell vor einem Monat einer Knieoperation unterziehen. Und Anfang der Woche sagte auch Sabrina Stanley ab – der UTMB war für sie zu dicht hinter ihrem Sieg beim Hardrock, der wohl doch ziemlich viel von ihr gefordert hatte. Und wie man Sabrina Stanley einschätzt: Sie stellt sich nicht an die Startlinie, wenn sie nicht eine realistische Chance hat, das Rennen zu gewinnen. Etwas anderes zählt bei ihr nicht ...



Quick Facts:

 

Start: 27. August 2021, 17:00
Strecke: 170 km, 10000 Höhenmeter
Live Results: hier.
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Preview der Strecke: hier.


2021 sind 104 Männer und 47  Frauen in der Elitekategorie am Start.

 

 

 

Frauen:

  • Courtney Dauwalter (USA): Titelverteidigerin. Bei ihrem Sieg 2019 lief nach eigenen Worten nicht alles perfekt. Früher war sie dafür bekannt, selbst halbblind noch ins Ziel zu laufen – in den letzten Jahren wird sie aber häufiger mal von Beschwerden eingeholt. So beim DNF 2019 beim Western States oder auch beim DNF vor ein paar Wochen beim Hardrock. Andererseits ist sie es gewöhnt, Tagelang Leistung zu bringen – zuletzt bewiesen bei der Backyard World Championship im Oktober 2020.  
  • Beth Pascall (GBR): Für mich DIE Favoritin. 2020 FKT auf der Bob Graham Round, 2021 dominanter Sieg beim Canyons 100k. Und ein paar Wochen später ebenso dominanter Sieg beim Western States.
  • Maite Maiora (ESP): Die Dritte des UTMB 2019 sollte ebenfalls starke Konkurrenz zu Dauwalter und Pascall sein. Sie war 2017 schon Zweite beim CCC. Und vor allem: Im Juli 2021 hat sie beim Buff Epic Trail die Sky Ultra World Championship gewonnen.
  • Ragna Debats (NED): Riesige Bandbreite von Rennen – von Etappenrennen (Sieg bei der Coastal Challenge 2018 und Marathon des Sables 2019), kürzeren Trails- und Skyraces bis zu Rennen über 100km (Sieg beim CCC 2019). Beim diesjährigen Western States – ihrem Debut über 100 Meilen – kam sie auf Anhieb auf Platz 3 hinter Beth Pascall und Ruth Croft.
  • Audrey Tanguy (FRA): Sie war wie Beth Pascall dieses Jahr lange in den USA – hat beim Project Carbon X mitgemacht, war Dritte beim Canyons 100k und Sechste beim Western States. Den TDS hat sie 2018 und 2019 gewonnen.
  • Katie Schide (USA): Sie war Zweite beim CCC 2018 und Sechste beim UTMB 2019. Und sie hat mit ihrem zweiten Platz in einem starken Feld beim Lavaredo gezeigt, dass sie gut in Form ist.
  • Camille Bruyas (FRA): Apropos Lavaredo: Hier hat die junge Französin ein ganz dickes Ausrufezeichen gesetzt – mit einem überzeugenden Sieg. Sie war Dritte beim CCC 2019 und fünfte bei der Diagonale des Fous 2018.
  • Mimmi Kotka (SWE): Nach ihren Siegen beim CCC (2016) und beim TDS (2017) hat jeder von der in Chamonix lebenden Schwedin erwartet, dass sie auch beim UTMB hervorragend abschneidet. Daraus wurde nichts: DNF 2018 und Platz 20 2019. Dies ist ihr dritter Versuch – und zumindest die Formkurve scheint nach ihrem 3. Platz beim Lavaredo nach oben zu zeigen.
  • Kaori Niwa (JPN): Hat schon dreimal den UTMB gefinisht, davon zweimal in den Top 10. Scheint gerne alle „by UTMB“ Läufe zu machen – und das erfolgreich: 2018 Platz 2 beim Mt. Gaoligong by UTMB, 2019 Sieg beim Oman by UTMB und vor ein paar Wochen Platz 2 beim Val d’Aran by UTMB. Aber auch beim Tor des Geants, beim Hardrock 100 und bei der Diagonale des Fous war sie schon in den Top 10. Auch bei diesem Rennen hat sie eine gute Chance auf eine Platzierung unter den ersten 10.
  • Kathrin Götz (SUI): Sie hat schon zweimal den Eiger E101 gewonnen und in diesem Jahr (weil’s halt nicht länger ging) den E51. 2019 siegte sie beim Lavaredo und belegte im gleichen Jahr Platz 3 beim TDS. In diesem Jahr hatte sie beim Lavaredo ein hartes Rennen und belegte Platz 5. Mal sehen, was sie in dem noch viel stärkeren Feld beim UTMB ausrichten kann.


 

Interessant aus deutscher Perspektive:

  • Eva Sperger: Was war das für ein Drama vor zwei Jahren, als Eva Sperger beim UTMB so aussichtsreich auf Platz 5 lag, aber dann bei Champex Lac die Segel streichen musste. Und das nach einem so fantastischen Jahr! Im vergangenen Jahr ließ sie sich etwas mehr Zeit, um nach Chamonix zu kommen – in 23 Jahren ging sie mit ihrem Partner Johannes Schmid von der Zugspitze bis zum Austragungsort des UTMB. In diesem Jahr hat sie bereits beim Trail Verbier – X Alpine ihre Form getestet und ist auf Platz 2 gelandet. Wir drücken die Daumen, dass auf Basis der Erfahrungen von 2019 dieses Mal die Tour um den Mont Blanc ein gutes Ende nimmt!





 

Männer:

  • Francois d’Haene (FRA): Ihm wäre eigentlich der Sieg kaum zu nehmen – wenn er nicht vor gerade mal einem Monat die andere große Schleife gelaufen wäre: Den Hardrock. Mit Sieg und neuem Streckenrekord. Ihm liegen die schweren, langen Rennen. Allein viermal (2013, 2014, 2016, 2018) hat er die Diagonale des Fous gewonnen, und dreimal (2012, 2014, 2017) den UTMB. Wird das hier Sieg Nummer 4?
  • Xavier Thevenard (FRA): Ein weiterer Favorit, bei dem man nicht weiß, ob er seiner Favoritenrolle gerecht werden kann. Denn seit einiger Zeit schlägt er sich mit einer Borreliose herum, die unter anderem auch zu einem DNF beim Lavaredo geführt hat. Ansonsten kennt er die Trails um Chamonix wie kaum ein Zweiter: Dreimal hat er den UTMB gewonnen (2013, 2015, 2018), 2010 siegte er beim CCC, 2014 beim TDS und 2016 beim OCC. Dazu kommen noch ein zweiter und ein vierter Platz beim UTMB 2019 bzw. 2017.
  • Jim Walmsley (USA): Er ist sicher schneller als Francois d’Haene, aber kann er auch so lange laufen? Beim UTMB 2017 hatte er überpaced und landete schließlich auf einem für ihn enttäuschenden 5. Platz. Bei der Diagonale des Fous hatte er ein DNF – genau wie beim UTMB 2018. Andererseits ist Jim dafür bekannt, dass er super Leistungen raushauen kann – siehe Western States. Und er hat gezeigt, dass er mit den Jahren gelernt hat. Daher könnte er in diesem Jahr doch ein Wörtchen mitzureden haben im Kampf um den Sieg.
  • Tim Tollefson (USA): Bekannt für seine planvollen und durchdachten Rennen. Das brachte ihm den 2. Platz beim CCC 2015 genauso ein wie den dritten Platz beim UTMB 2016 und 1017. Dann hatte er 2018 und 2019 Verletzungspech und musste jeweils ein DNF kassieren. Das bisherigen Hauptrennen in diesem Jahr war der Western States – und hier belegte er einen hervorragenden fünften Rang.
  • Dmitry Mityaev (RUS): Zweimal war er in den vergangenen Jahren beim TDS und belegte den dritten (2018) und den zweiten Platz (2019). Statt in diesem Jahr auf den Sieg beim TDS zu spekulieren hat er den Schritt zum UTMB gewagt. In diesem Jahr hat er unter anderem den MXAlps beim Montreux Trail Festival gewonnen.
  • Ludovic Pommeret (FRA): Neben d’Haene und Thevenard der Dritte, der einen Sieg beim UTMB vorweisen kann. Das war 2016. Daneben kam er 2009 und 2017 auf Platz 3 beim CCC sowie 2019 auf den dritten Platz beim TDS. Pommeret läuft lokal – fast ausschließlich in Frankreich und der Schweiz. Auch wenn ein französisches Rennen mal ganz schön weit weg sein kann: Wie zum Beispiel bei der Diagonale des Fous auf La Reunion, bei der er 2019 den zweiten Platz belegte.
  • Tom Owens (GBR): Ist schon lange dabei – und auf den unterschiedlichsten Strecken. 2019 war er beim UTMB Vierter, 2017 beim CCC Fünfter.
  • Damian Hall (GBR): Die Platzierungen des britischen Journalisten und Läufers beim UTMB sind wirklich interessant: UTMB 2015: Platz 29. UTMB 2016: Platz 19. UTMB 2017: Platz 12, UTMB 2018: Platz 5. 2018 mag er Nutznießer des großen Favoritensterbens gewesen sein, aber er ist ein zäher Bursche. Das bewies er auch bei seinen Rekordläufen vor und während der Corona-Pandemie: Die Paddy Buckley Winter Round (2020), den Pennine Way (2020) und Wainwright’s Coast to Coast (2021).
  • Robert Hajnal (ROM): Er hatte zwei DNFs beim UTMB 2017 und 2019 – aber dann war da 2018 und sein zweiter Platz hinter Xavier Thevenard. Auch er hat die Gunst der Stunde und das damalige Favoritensterben genutzt – aber so ist es nun mal. Aber auch seine anderen Platzierungen (Platz 5 beim Lavaredo 2017, Platz 4 beim MIUT 2019) lassen erkennen, dass er nicht nur die Schwäche von anderen braucht, um gut abzuschneiden.




Interessant aus deutscher Perspektive:


  • Hannes Namberger: Man wird es nicht vermeiden können – und auch wenn man ihn nicht unter Druck setzen will: Alle deutschen Augen ruhen beim UTMB auf „Nambo“. Zweimal hat er in den letzten beiden Jahren neue deutsche Rekorde beim ITRA Score aufgestellt: 2020 beim Pitz Alpine (914) und 2021 beim Lavaredo (941). Auch wenn ihm der von der UTMB „modifizierte“ ITRA Score nur schlappe 910 Punkte zubilligt – die beiden Streckenrekorde waren vom feinsten. Dazwischen hat er noch kurz mal die Zillertal Ultraks gewonnen (2020) oder lief aus vollem UTMB-Training beim Großglockner Trail auf Platz 2. Beim CCC 2019 kam er auf den zwölften Platz. Wäre schon super, wenn es nach dieser Leistungssteigerung beim UTMB unter die Top 10 reichen würde!
  • Benni Bublak: Für ihn ist es die Premiere beim UTMB nach zwei Jahren TDS (2018: DNF, 2019: Platz 16). Im vergangenen Jahr war Benni, der den meisten aus dem Trailmagazin vertraut sein dürfte, Zweiter hinter Hannes Namberger beim Pitz Alpine. In diesem Jahr gab es dann einen perfekten Aufbau zum UTMB mit dem Garda Trentino Trail im Mai (Platz 3) und dem ET 102 beim Engadin Ultra Trail (Platz 7).
  • André Purschke: Ein echter Novize bei den UTMB-Veranstaltungen – und dann tritt er gleich beim längsten Event an! Dabei war seine bislang längste Wettkampfstrecke der Lavaredo Ultra Trail, bei dem er auf Platz 30 landete. 2019 hatte er ein super Jahr mit zweiten Plätzen beim Mayrhofen Zillertal Ultraks (Middle) und beim Großglockner Weissee Gletscherwelt Trail. Und in diesem Jahr hat er sich beim Weissee Gletscherwelt Trail sogar den Sieg geschnappt. Für die große Schleife um den Mont Blanc heißt es aber zunächst mal: UTMB-Luft schnuppern, das eigene Rennen laufen und gut in Chamonix ankommen.






 

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