Corona-Update #1: Zahlen und Tendenzen


Frankreichs Staatspräsident Macron hat gestern fünfmal gesagt: „Wir sind im Krieg“. So viel Pathos liegt mir nicht. Mir liegen eher Zahlen.

Beim Lauftraining verfolgt man den Fortschritt (oder Rückschritt) ja auch an Kennzahlen. Die wichtigste Kennzahl bei Corona ist zurzeit die Stärke des (exponentiellen) Anstiegs der Infizierten. Und die Tendenz, in der sich dieser Anstieg entwickelt. Ziel ist es, die Verdopplungszeit (Zahl der Tage in denen sich die Zahl der Infizierten verdoppelt) so weit wie möglich hinauszuziehen, um die Behandlung der schwer kranken Patienten zu gewährleisten. Stichwort: #flatteningthecurve. Und #stopthespread.

In unterschiedlichen Ländern gab und gibt es nun unterschiedliche Maßnahmen, die das öffentliche Leben stark einschränken, die aber genau das bewirken sollen. Wegen der langen Inkubationszeit wird man aber die Effekte solcher Maßnahmen erst in 8-10 Tagen sehen. Das ist irgendwie entmutigend, denn man muss sich zunächst mal stark beschränken – und trotzdem laufen die Zahlen davon. Kleine Tendenzen sieht man oft noch nicht.

Daher – und da es über den Laufsport derzeit nichts zu berichten gibt – werte ich ab jetzt täglich die Zahlen aus und schaue, wie sich die Verdopplungszahl entwickelt. Die Methodik findet Ihr unten.




Derzeitiger Stand: Am besten ist zurzeit Südkorea: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist sehr gering, und so ist die Verdopplungsrate auf inzwischen fast 60 Tage angestiegen. Da hat man nicht nur die Kurve flachbekommen, sondern man begrenzt derzeit auch die Ausbreitung. In Italien, wo gegenwärtig die Verhältnisse sehr schlimm sind und das die höchste Zahl der Infizierten in Europa hat, zeigen die Zahlen aber einen Hoffnungsschimmer: Die Verdopplungszeit geht nach oben. Derzeit noch leicht, aber die Tendenz ist richtig. Und die Auswirkungen des Lockdown wird man erst in den nächsten Tagen voll mitbekommen. Auch in Spanien, das derzeit noch die kürzeste Verdopplungszeit hat, wo also die Zahl der Infizierten am schnellsten „explodiert“, zeigen die Zahlen in den letzten Tagen in die richtige Richtung.

Anders in Deutschland und der Schweiz: Hier haben wir in den letzten Tagen sogar eine leichte Tendenz gesehen, dass der Anstieg der Infizierten sich beschleunigt und die Verdopplungszeit damit sinkt. Hier muss es jetzt zu drastischeren Maßnahmen kommen. Die Schließung von Geschäften in Deutschland ist da der Anfang, aber dabei wird es sicher nicht bleiben. Und in Österreich hat man ja schon eine de facto Ausgangssperre. Wichtig ist hier, dass wir uns wirklich alle bestmöglich daran halten und die Bestimmungen nicht zu unterlaufen versuchen. Dann werden wir bis Ende der Woche auch eine erste Trendwende sehen.

Die USA ist schwer zu beurteilen: Da zeigt derzeit die Tendenz auch eher nach oben, aber hier ist davon auszugehen, dass immer noch viel zu wenig getestet wird und die Dunkelziffer von Infizierten sehr hoch ist.


Methodik
  • Zahlen stammen aus den jeweiligen englischsprachigen Wikipedia-Seiten zu den Covid-19 Fällen der Länder.
  • Für einen Zeitraum von 7 Tagen bis zum Tag x wird der Logarithmus zur Basis 2 der jeweiligen Infektionszahlen berechnet, die Verdopplungszeit errechnet sich aus der Steigung der Regressionsgeraden. 


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