Preview UTMB

von Sabine


Die Tradition der UTMB-Woche will es so: Ganz am Schluss kommt der Höhepunkt, der UTMB selbst. Letztendlich ist er so etwas wie die inoffizielle Ultra-Trail Weltmeisterschaft – denn selbst die offiziellen Weltmeisterschaften haben nicht die Leistungsdichte, wie sie bei einem UTMB zu finden sind.

UTMB

Start: 31 August 2018, 18:00
Strecke: 172 km, 10300 Höhenmeter
Live Resultate hier.
Live TV hier.
Preview der Strecke hier:





Die kürzeren Rennen hatten so manche Überraschung zu bieten. Plötzlich siegen Athleten aus China, die noch nie in Europa gelaufen sind. Oder es siegt der Pole Marcin Swierc, wo man eigentlich die viel bekannteren Bowman oder Hawks auf der Rechnung hatte. Der UTMB hat nun sehr viele bekannte Namen zu bieten – und damit wird es für Überraschungen sehr viel schwieriger. Aber auch und gerade bei diesem „Hauptrennen“ erwartet uns ein spannender Wettkampf ...

Frauen

  • Mimmi Kotka. Nachdem Nuria Picas und Andrea Huser (Platz 1 und 2 beim UTMB im letzten Jahr) verletzungsbedingt absagen mussten, könnte man sagen: Das Rennen ist offen. Wäre da nicht Mimmi Kotka. Die Schwedin hat in den letzten Jahren eine wahnsinnige Entwicklung hingelegt – 2016 Sieg beim CCC, 2017 Sieg beim TDS – warum nicht 2018 Sieg beim UTMB? Einen Sieg am Mont Blanc hat sie schon – im Juni gewann sie die Ultra-Version (90km) des Marathon du Mont Blanc. Für mich die Top Favoritin.
  • Clare Gallagher. Sozusagen die Nachfolgerin von Mimmi Kotka auf dem “Thron” des CCC. Den gewann sie im letzten Jahr vor Maite Maiora. In diesem Jahr hat die US-Amerikanerin bislang noch nicht das Top-Level des letzten Jahrs erreicht: Sie wurde Achte bei der Trail-WM auf den Penyagolosa Trails und Neunte beim Lavaredo Ultratrail.
  • Magda Boulet. Sie war schon 2016 dabei und landete auf Platz 5. Das war in dem Jahr, in dem sie auch den Western States gewonnen hat. 2017 kam sie wieder – allerdings war sie durch einen Trauerfall im Freundeskreis so wenig mit dem Kopf beim Rennen, dass es „nur“ zu Platz 19 reichte. Dieses mal der dritte Anlauf – man darf sich auf einiges gefasst machen, denn Magda Boulet ist in Form. Im Frühjahr  gewann sie gegen alle Vorhersagen den Marathon des Sables ...
  • Stephanie Howe-Violett. Auch sie ist Gewinnerin des Western States (2014). Auch sie hat schon einen Top 10 Platz beim UTMB (Achte 2015). Auch für sie lief es im letzten Jahr nicht so gut beim UTMB und endete mit Platz 16. Dieses Jahr hat sie mit Platz 6 beim Western States gezeigt, dass mit ihr zu rechnen ist.
  • Beth Pascall. Die Britin hat vielleicht keine Ambitionen auf das Podium, aber sie könnte für einen Top 10 Platz gut sein. Im Vorjahr war sie Zweite beim Madeira Island Ultra Trail und Sechste bei der ultra-harten Diagonale des Fous. In diesem Jahr steht unter anderem ein vierter Platz beim Transgrancanaria und Platz 11 bei der Trail-WM zu Buche.
  • Kaori Niwa. Die Japanerin gilt als Spezialistin für schwere und lange Berg-Ultras. In diesem Jahr wurde sie Zweite beim UTMF und Vierte beim Hardrock 100. Beim UTMB war sie schon zweimal recht erfolgreich: 2016 mit Platz 8 und 2017 mit Platz 4. Es wird viel davon abhängen, wie gut sie sich vom Hardrock erholt hat.
  • Amy Sproston. Die US-Amerikanerin ist schon viele Jahre im Ultrarunning-Geschäft dabei. Obwohl sie nicht mehr die Jüngste ist – immer wieder schafft sie hervorragende Platzierungen. So 2016 mit einem zweiten Platz beim Western States 100. Beim UTMB war sie zweimal – und zweimal kam sie auf Platz 8: 2012 und 2017. Jetzt ist sie zurück – und will sicherlich noch mehr.
  • Emilie Lecomte. Eigentlich müsste man sagen: Wer bei der Diagonale des Fous in La Reunion gut abschneidet, sollte auch eine Chance auf einen Top-Platz beim UTMB haben. Wenn das so ist/wäre, dann sollte Emilie Lecomte in diesem Jahr hervorragend abschneiden. Denn 2012 hat die Französin die Diagonale des Fous gewonnen, 2015 und 2017 wurde sie Zweite. Beim UTMB hatte sie nicht so viel Glück – im letzten Jahr musste sie aufgeben. Nun ist sie zurück, um die Runde komplett zu laufen.
  • Juliette Blanchet. Auch Juliette Blanchet hat schon auf der Diagonale des Fous brilliert. In den Jahren 2014 und 2016 wurde sie jeweils Zweite. 2016 war auch das Jahr, in dem sie beim UTMB auf den vierten Platz kam. Letztes Jahr folgte ein DNF. Nun ist sie zurück nach einer Saison mit sehr vielen Läufen, darunter ein Dritter Platz beim Madeira Island Ultra Trail und Platz 2 beim Großglockner Ultra Trail. Auch sie hat auf jeden Fall das Potential, in die Top 10 zu kommen. 
  • Francesca Canepa. Die Italienerin läuft pro Jahr unglaublich viele Rennen. Wenn sie startet, landet sie praktisch immer in den Top 10. Doch nur selten ist ein Rennen mit auch nur annähernder Leistungsdichte dabei. Die letzten Erfolge: 2017 Sieger in beim Scenic Trail K113, beim Swiss Irontrail T133 und 2018 Sieg bei den 100 Miles of Istria. 
  • Caroline Chaverot. Normalerweise wäre sie eine Mitfavoritin. Sie hat in den letzten Jahren fast alle Rennen gewonnen, bei denen sie angetreten ist. So den CCC 2013, den Lavaredo Ultra 2015 und 2017, den UTMB 2016, den Hardrock 100 2017 und den Zugspitz Ultra Trail in diesem Jahr. Aber dann gab es immer auch die Rennen, bei denen sie aus unerklärlichen Gründen ausscheiden musste. Inzwischen ist glücklicherweise die Ursache klar: Borreliose. So hieß es zuerst mal: Keine Rennen mehr, Therapie. Erstaunlich schnell kommt sie jetzt doch – jedoch mit wenig Training in den Beinen – zurück zum UTMB. Und hat angekündigt, dass mit ihr wohl eher nicht auf einem Top-Platz zu rechnen ist. Aber Gesundheit geht vor!
  • Cat Bradley. Sie war die Überraschungssiegerin des Western States 100 2017. Sie hatte auch ein super Frühjahr 2018. Dann musste sie ihre Teilnahme am Western States 100 wegen gesundheitlicher Gründe absagen. Jetzt scheint sie wieder fit, aber ob sie wirklich schon ihre alte Form erreicht hat, wird man erst beim Rennen selbst sehen.  
  • Uxue Fraile. Auch eine Läuferin, von der man nicht weiß, was man von ihr erwarten kann. Sie kennt den UTMB, hat dreimal hervorragend abgeschnitten. Im Jahr 2014 war sie Fünfte, 2015 Zweite, 2016 Dritte. Dazu noch ein dritter Platz bei der Diagonale des Fous 2014 und der Sieg beim UTMF 2015. Dann kam 2017 eine schwere Verletzung - und seitdem ist sie kein Ultrarennen mehr gelaufen. Die Frage ist: Wird sie fit sein?

Bei den Frauen sind die Top 3 des letzten Jahres verletzungsbedingt nicht am Start: Nuria Picas, Andrea Huser und Christelle Bard. Auch nicht dabei wegen einer OP: Basilia Förster.
Interessant aus deutscher Sicht: Ildiko Wermescher. Die Ungarin/Deutsche ist immer wieder für Top 10 Platzierungen gut. 2017 war sie Achte beim Western States 100, vor einem Monat hat sie beim Südtirol Ultra Skyrace Platz 2 gewonnen. Und auch der UTMB ist kein Unbekannter für sie: 2014 wurde sie Sechste, 2016 Siebte. Jetzt ist die inzwischen 53-jährige zurück. Das könnte was werden mit einem nächsten Top 10 Platz!

Männer

  • Kilian Jornet. Letztes Jahr wirkte er beim UTMB etwas müde. Dann kam die Schulter OP. Dann kam der Beinbruch. Und mal eine Weile nichts. Und plötzlich scheint Kilian wieder „on fire“. Sein Comeback beim Marathon du Mont Blanc endet mit einem Sieg. Dann Sieg beim Skyrun Comepadrosa. Dann Sieg bei Sierre Zinal. Und schließlich – gerade mal so zum tapern: Sieg und neuer Streckenrekord beim Trofeo Kima, fünf Tage vorm Start des UTMB. Und nicht zu vergessen: der Fabel-FKT auf der Bob Graham Round. Diese Bob Graham Round ist allerdings auch das längste, was Kilian in diesem Jahr gelaufen ist. Und so bleibt doch auch der Hauch des Zweifels, ob es für ihn zu einem weiteren Sieg reichen wird. Aber nur ein Hauch.
  • Tim Tollefson. Kaum einer geht den UTMB mit so viel Kopf und Geduld an. Keiner kann  sich im Ziel auf der Place du Triangle de l'Amitié so schön freuen wie er. Seine Art zu laufen brachte ihm beim CCC 2015 Platz 2 ein und beim UTMB 2016 und 2017 Platz 3. In diesem Jahr lieferte er sich beim Lavaredo Ultra Trail ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Stephan Hugenschmidt und landete auf – Platz 3. Er hätte es eigentlich verdient, mal ganz vorn zu landen ...
  • Jim Walmsley. Eine Wundertüte. Im letzten Jahr Crash&Burn beim Western States 100 und bei der Diagonale des Fous. Beim UTMB hat er aber vieles richtig(er) gemacht und kam nach furioser Aufholjagd am Schluss auf Platz 5. In diesem Jahr zeigte er mit seinem Rekord beim Western States, dass er im letzten Jahr viel gelernt hat. Die Frage ist: Kann er das auch beim UTMB umsetzen? Schließlich dauert dieses Rennen einfach länger. Und sowohl beim UTMB 2017 als auch bei der Diagonale des Fous hatte Walmsley seinen Einbruch nach etwa 14 Stunden ...
  • Luis Alberto Hernando. Er ist der Weltmeister. Wird er jetzt auch bei dieser „inoffiziellen Weltmeisterschaft“ die Nase vorn haben? 2015 kam er beim UTMB auf Platz 2 hinter Xavier Thevenard. Wenn Luis Alberto Hernando einen guten Tag hat – und er hat meist einen guten Tag – dann kann er ganz weit vorn mitmischen.
  • Xavier Thevenard. Vor gut einem Monat stand der Franzose beim Hardrock 100 am Start. Und er lief wie entfesselt – bis nach 91 Meilen diese unnötige Disqualifikation auf ihn wartete. Jetzt ist die Frage beim UTMB: Hat diese Episode noch Einfluss auf ihn? Enttäuschung – oder vielleicht sogar Ärger, der ihn nach vorn treibt? Beim UTMB hat er jedenfalls schon alles gewonnen, was man gewinnen kann: Den CCC (2010), UTMB (2013), TDS (2014), UTMB (2015), OCC (2016). Im letzten Jahr wurde er Vierter. Mit ihm kann man ganz weit vorn rechnen.
  • Zach Miller. Der US-Amerikaner liefert am Anfang eines Rennens sehr oft schon ein Feuerwerk. Manchmal bringt er die Führung nach Hause – wie beim CCC 2015 oder beim North Face Endurance Challenge San Francisco im gleichen Jahr. Manchmal muss er aber seinem Anfangstempo Tribut zollen – aber selbst dann kämpft er meist noch einen guten Platz heraus. So beim UTMB  2016 (Platz 6) und 2017 (Platz 9). Oder in diesem Jahr bei der Trail WM (Platz 8). Eines ist klar: Am Start wird es auch in diesem Jahr für Zach Miller heißen: Alles auf Angriff. 
  • Alex Nichols. Zweiter beim Western States 2017, Zweiter beim Hong Kong 100 im Januar dieses Jahres. Er hat das Zeug, beim UTMB weit vorn mitzumischen.
  • Gediminas Grinius. Dreimal war der Vielläufer aus Litauen schon beim UTMB dabei, dreimal in den Top 10: 2014 auf Platz 5, 2016 auf Platz 2, 2017 auf Platz 8. Ihm ist auch in diesem Jahr wieder ein Top Ergebnis zuzutrauen.
  • Jordi Gamito. Auch der Spanier hat schon seine Erfahrungen mit dem UTMB: Platz 12 (2015) und Platz 10 (2017). Nachdem er in diesem Jahr schon beim Madeira Island Ultra Trail, beim Maxi Race du Lac d’Annecy und beim Großglockner Trail auf dem Podium stand, könnte es dieses Jahr beim UTMB noch weiter nach vorn gehen als in den Jahren zuvor.
  • Sylvain Court. Er hat in diesem Jahr den 90km Ultramarathon im Rahmen des Marathon du Mont Blanc gewonnen, im letzten Jahr die technisch extrem anspruchsvolle L’Echappee Belle – das alleine ist schon ein Grund, dass man ihn beim UTMB auch in der erweiterten Führungsgruppe erwarten kann.
  • Javi Dominguez. Der Vizeweltmeister dieses Jahres hat bislang beim UTMB ganz unterschiedliche Ergebnisse eingefahren: 2012 Rang 12, 2013 Rang 3, 2014 Rang 21, 2016 Rang 5. Im letzten Jahr hat er den Tor des Geants gewonnen. Er kennt sich also aus in der Region um den Mont Blanc. Mal sehen, ob der Daumen in diesem Jahr eher nach oben oder nach unten zeigt.
  • Ryan Sandes. 2015 und 2016 startete der Südafrikaner beim UTMB – und hat schon früh im Rennen aufgeben müssen. Im letzten Jahr hat er dann für den CCC gemeldet – und diesen auf Platz 21 gefinisht. Kein gutes Resultat für einen Läufer, der im gleichen Jahr den Western States gewonnen hatte. Irgendwie scheint ihm dieser Kurs nicht zu liegen – und dennoch will er es ein weiteres mal wissen.
Interessant aus deutscher Perspektive: Florian Felch. Der konnte in diesem Jahr den Chiemgau 100 gewinnen und wurde beim Allgäu Panorama Ultramarathon Zweiter. Im Feld der internationalen Elite wird man ihn sicher – wie auch schon beim Lavaredo Ultra Trail (Platz 39) nicht ganz vorn erwarten können. Aber es ist schön zu sehen, dass überhaupt ein deutscher Läufer bei den UTMB Elite-Läufern starten kann.

Viel Spaß beim Zuschauen!

 

Kommentare